Bauplatz Familienwohnbau - Details

1.) Konzept der sozialen Nachhaltigkeit

Aufgrund der Kombination von Klein- und Mittelwohnungen gibt es für jedes Lebenskonzept den passenden Wohnraum. Dies führt zu einer gesunden Durchmischung in der Hausgemeinschaft.

Nur ein Stiegenhaus

für alle Bewohner („man sieht sich“).

Als Mittelpunkt des Zusammenlebens liegt der Gemeinschaftsraum im Zentrum der Anlage. Gemeinsam mit den zukünftigen Bewohnern soll die Ausstattung nach deren Bedürfnissen zusammengestellt werden. Ob Mietertreffen, Hobbygruppen, Bewegung & Sport oder Familienfeste – hier soll alles möglich sein, den Wünschen der Nutzer entsprechend.

Der wichtigste Aspekt zum Thema Wohnsicherheit ist das Vermeiden von Anonymität. Außerdem wurde auf ein einsehbares Wegenetz und Erschließungskonzept großes Augenmerk gelegt. Die Wohnungen sind durch einbruchshemmende Türen gesichert. Ein weiterer Aspekt für das Sicherheitsgefühl und den persönlichen Kontakt ist die Betreuung des Hauses durch einen Hausbesorger neu.

Dieser ist sowohl Ansprechpartner für die Bewohner und in der Anlage tätige Firmen (Reparaturen, Reinigung) sowie Schnittstelle zur Hausverwaltung. Sein Büro befindet sich im Eingangsbereich des Wohnhauses. Als technisch versierte Person kann er kleine Wartungen und Reparaturen im Haus selbst erledigen und steht auch den Mietern diesbezüglich mit Rat und Tat zur Hilfe. Größere Arbeiten koordiniert er mit den entsprechenden Firmen. Als Schnittstelle zur Hausverwaltung beaufsichtigt er die laufende Betreuung der Liegenschaft und steht den Mietern als erste Anlaufstelle bei Fragen und Beschwerden zur Verfügung.

Das Erdgeschoss stellt Raum für Alle zur Verfügung. Einerseits Raum für alle Bewohner des Hauses in Form von Gemeinschaftsraum und gemeinschaftlichen Abstellräumen (Fahrräder, Kinderwägen), andererseits aber auch Raum für die Anwohner und Vorbeikommenden.

Der Gemeinschaftsraum im Erdgeschoss als Zentrum des gemeinschaftlichen Wohnens erweitert sich in den umliegenden Platzraum. Er kann von den Bewohnern selbstbestimmt verwendet und verwaltet werden. Im Laufe der Jahre wird er die Veränderungen in der Bewohnerstruktur widerspiegeln.

Genauso kann der Aufenthaltsraum im Erdgeschoss als Veranstaltungsort von Partys und Familienfesten herangezogen werden. Oft finden sich diverse Gruppen wie Do it yourself-Runden, Turngruppen oder Kochkurse zu ihren regelmäßigen Treffen ein. Hier sind auch Externe gern gesehen.

Initiativbetreuung

Das Motto in dem Wohnbauprojekt „Unter den drei Linden“ lautet: In Dialog treten und in Kommunikation bleiben! Dieser Anspruch ist essentieller Teil einer Einbeziehung von Bedürfnissen & Wünschen. Dies ist für die gemeinsame Gestaltung des Platzes „Unter den Linden“ und der Planung des Gemeinschaftsraumes sowie generell für nachbarschaftliche Beziehung wichtig. Deshalb ist die kommunikativ-strukturunterstützende Funktion eines Moderators während des Bezugs und insgesamt drei Jahre lang eine wesentliche Voraussetzung Nachbarschaftsnetzwerke zu fördern und einziehende BewohnerInnen zu unterstützen. Der Moderator kann weiters auch Koordinationsstelle für andere erwünschte Leistungen, bspw. Essen auf Rädern, Pflege & Betreuen sein.

Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit spricht in dem Projekt die dauerhafte Integration von verschiedensten möglichen individuellen (Hobbys, Interessen, alte und junge Menschen, barrierefrei etc.) und kulturellen (ethnische, religiöse, weltanschauliche etc.) Unterschieden und Bedürfnissen beim Wohnen an. Erst durch einen optimalen Dialog zwischen allen relevanten AkteurInnen ermöglicht eine gelingende Mitsprache und Beteiligung, die auf verschiedenste Bedürfnisse eingehen kann. Die Kommunikation zwischen den AkteurInnen wird als wichtig erachtet, deshalb wird vor allem für den geplanten Anrainerdialog sowie im Rahmen der Initiativbetreuung das Zusammenspiel zwischen Hausverwaltung, Bewohner und HausbetreuerIn-neu durch den Moderator Rechnung getragen. Der Moderator wird vom HausbetreuerIn-neu vor Ort unterstützt, sie moderieren die erwünschte Nutzung des Platzes „Unter den Linden“ und des Gemeinschaftsraums und agieren als „Kommunikationsdrehscheibe“ in Form einer BewohnerInnen-orientierten Kommunikation. Alle Entscheidungen sind im Rahmen der finanziellen Gegebenheiten zu berücksichtigen.

Die möglicherweise auftretenden Konflikte werden, sofern dies möglich ist, auch durch den prozessverantwortlichen Volkshilfe-Moderator (der eingetragener Mediator ist) begleitet und soweit wie möglich bearbeitet. Für eine effektive Kommunikation und der damit verbundenen freiwilligen Partizipationsmöglichkeit ist ein zu konstituierendes MieterInnen-Gremium geplant.

Folgende Vorteile ergeben sich für die BewohnerInnen:

  • Durch einen Partizipationsprozess für die Platzgestaltung (Anrainerdialog) ist die Nutzung lokaler Ressourcen – zum eigenen Vorteil – leichter möglich.

  • Durch die stattgefundenen Aushandlungs- und Mitspracheprozesse ist ein Kennenlernen auch der AnrainerInnen leichter möglich. Dadurch wird Nachbarschaft etabliert und gelebt.

  • Durch die Nutzung und der Organisation des Platzes sowie des Gemeinschaftsraumes wird konstruktive Kommunikation umgesetzt.

  • Dies ermöglicht auch einen leichteren Austausch von unterschiedlichen individuellen und kulturellen Lebensformen etc. und das Kennenlernen anderer Ansichten/ Lebenskonzepte/ kulturelle Eigenheiten etc. und als anders aber nicht als ein besser-oder-schlechter wahrzunehmen.

  • Bei Interessensdifferenzen vermittelt der HausbetreuerIn-neu sowie der Moderator vor Ort, da sie näher am Geschehen sind und bereits mit allen (äquidistant) Vertrauen aufbauen konnten.

  • Durch Wohnzufriedenheit ist eine stärkere Bindung an die Wohnanlage und an das -umfeld und damit eine höhere Identifikation gegeben.

 

2.) Architektur

Städtebau

Die etwas exponierte Lage des Bauplatz 4 zwischen dem Kindergarten und dem Kreuzungsbereich der Gaswerkstraße mit der Jane-Tilden-Gasse fungiert als Siedlungseingang und bildet den Übergang zur Platzabfolge des großen gemeinschaftlichen Freiraums.

Aus diesem Grund sieht das städtebauliche Konzept ein Zurückrücken des Gebäudes vor, um den 3 neu zu pflanzenden Linden Raum zu geben, der als Einfügepunkt in die schon bestehende Stadtstruktur dienen kann.

Die Ausgestaltung eines Platzes „Unter den Linden“ ist die erste Maßnahme, sich eine „Adresse“ vor Ort zu verschaffen.

Der zentrale Dreh- und Angelpunkt „Unter den Linden“ als Spiel-, Markt- und Eingangsplatz bildet das verbindende Element zwischen dem Bestehenden und dem Neuen.
Hier ist Raum für Begegnung und Gespräche, aber auch für gemeinsames Tun, für Gärtnern und Ernten, für Spiele und Feste. Hier kann Nachbarschaft mit den neuen und alten Anwohnern mit Leben gefüllt werden.

Der Anschluss an die weiteren Baufelder in Richtung Marchfeldkanal erfolgt über den Anschluss an das südliche Wohnband des gemeinsamen städtebaulichen Konzeptes.

Das Wohnband wird teilweise zweigeschossig durch das Gebäude geführt und findet im Platz „Unter den Linden“ seinen westlichen Abschluss.

Architektonisches Konzept

Ausgehend vom Kindergarten als Impulsfaktor sieht das Projekt dem Platz zugeordnet eine gewerbliche Nutzung vor, eine Spielzone ist dem Kindergarten und dem Lokal vorgelagert und für die Nachbarschaft benutzbar.
Das Gebäude nimmt sich zurück und bildet einen ruhigen Baukörper, der die Erschließung mittels eines Innenhofes und der im Inneren umlaufenden Laubengangerschließung kommunikativ löst.

Das innere Atrium ist thermisch als Außenraum konzipiert und ist durch ein Glasdach gegen die Witterung geschützt. Dieses Dach ist abgehoben, so dass es seitlich permanent offen die stetige Durchlüftung des Innenhofes garantiert. So sind zusätzliche Fenster zum Atrium möglich, die einerseits Belichtung, andererseits Kommunikation ermöglichen.

Die hohe Anzahl an Kleinst- und SMART-Wohnungen finden Kompensationsräume im Erdgeschoß (anmietbare Home-Office-Flächen, Gemeinschaftsraum, Waschküche).

Materialität und Ausstattungskonzept

Die Struktur wird als Betonbau (EPS-F+ gedämmt), die Wohnungszwischenwände in Leichtbauweise gebaut, um eine hohe Flexibilität bis kurz vor Bezug zu ermöglichen.
Eine dreifache Holz Alufensterverglasung sorgt für minimalen Wärmeverlust über die Glasflächen.

Die allgemeinen Teile der Anlage werden robust und pflegeleicht ausgestattet, um Betriebs- und Erhaltungskosten zu reduzieren.

Die Laubengang-Konstruktion wird in Betonfertigteil-Elementen frei in den Innenhof gestellt. So entfällt der nötige Schallschutz und der Fußbodenaufbau im Erschließungsbereich kann eingespart werden. In den Wohnungen werden die Zugangs- und Nassräume mit Fliesen belegt. In den Wohnzimmern gibt es Parkett, in den sonstigen Aufenthaltsräumen Bodenbeläge des entsprechenden Ausstattungspaketes. Die Bäder sind mit Waschtisch, Waschmaschinenanschluss und Badewanne bzw. alternativ Dusche ausgestattet.

Die wohnungszugehörigen Freiflächen werden aus Betonfertigteilen mit barrierefreiem Anschluss ausgeführt.

Alle Absturzsicherungen sind als verzinkte Stahlstabgeländer gedacht, die Loggien-Abtrennungen erfolgen über seitliche Betonbrüstungen und aufgestellte Glaselemente in verzinkten Rahmenkonstruktionen.

Wohnkonzept & Wohnungstypologie

Ein breiter Wohnungsmix von Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen wird angeboten. Der Schwerpunkt liegt auf Kleinwohnungen, dem Smart-Wohnungskonzept entsprechend. Bei der Grundrissgestaltung wird auf ausreichend Stauraum und reduzierte Verkehrsflächen Wert gelegt. Die Möblierbarkeit mit Normmöbeln ist für uns selbstverständlich.

Alle Wohnungen sind über ein natürlich belichtetes Stiegenhaus und Laubengänge erreichbar. Die Gänge werden als Orte der Begegnung ausgebildet.

Gemäß Vorgabe werden die Hälfte der Wohnungen als SMART Wohnungen angeboten, die übrigen Wohnungen werden grundrisslich ebenfalls flächenoptimiert ausgestaltet. Kompensationsflächen wie anmietbare Home-Office-Flächen und Einlagerungsräume stehen im EG und UG zur Verfügung.

Es werden drei Ausstattungspakete zu bereits bei Vergabe fixierten Preisen angeboten: Standard, Standard PLUS und Standard MINUS Variante.

Alle Wohnungen haben einen privaten Außenbereich.

 

3.) ÖKONOMIE

Ökonomisches Konzept

Kostenoptimierte Planung wird verfolgt durch eine konsequente Tragstruktur, Einsatz von Fertigteilen und die Verwendung standardisierter Installationsschächte. Die Wirtschaftlichkeitsparameter der Bauwirtschaft bzw. WKO sind Grundlage für den Planungsprozess und werden laufend ermittelt, um frühzeitig Abweichungen zu erkennen.

Es entstehen ~5.650 m² Wohnnutzfläche, welche sich auf 79 Wohnungen, eine Lokalfläche und anmietbare Homeofficeeinheiten im EG aufteilen. Die erforderlichen 52 Pflichtstellplätze werden in der Tiefgarage errichtet.

Die Wohnungen werden als geförderte Mietwohnungen mit Kaufoption angeboten. Für die Smartwohnungen wird Superförderung in Anspruch genommen. Die Gesamtbaukosten betragen € 1.750,-/m² förderbarer Wohnnutzfläche. Die monatlichen Nutzerkonditionen betragen lediglich € 6,70 /m².

Die Finanzierung erfolgt neben den Landesmitteln über Finanzierungsbeiträge der Mieter sowie Hypothekardarlehen mit steigenden Annuitäten, um die Anfangsmieten gering zu halten und die Geldentwertung abzubilden.

Die Smartwohnungen bleiben bei den Nutzerkosten geringfügig unter den geforderten Grenzen.

 

4.) ÖKOLOGIE

Energiekonzept und Mobilitätskonzept

Die bebaute Fläche wird so gering wie möglich gehalten, damit ein möglichst großer zusammenhängender Platz entstehen kann. Dadurch wird der Baukörper sehr kompakt und ökologisch optimiert. Der Innenhof ist überdacht und somit witterungsunabhängig. Die Querluftzirkulation wird durch Anheben der Überdachung ermöglicht. Die sommerliche Überwärmung aufgrund natürlicher Luftzirkulation verhindert.
Solare Einträge werden durch Orientierung der Fenster nach Süden bzw. Osten und Südwesten gewonnen.
Die Balkone werden vor die Fassade gehängt und sind somit barrierefrei nutzbar.

Das Haus wird an das Nahwärmenetz von Wien Energie angeschlossen und ierreicht die Energieeffizienzklasse A.

Um die Betriebskosten niedrig zu halten und Wartungsintervalle zu verlängern, wird auf den Einsatz einer kontrollierten Wohnraumbe- und entlüftung verzichtet.

Fahrradraum und Fahrradabstellflächen werden möglichst niederschwellig angeboten und sind erdgeschossig im Gebäude, auf dem Wohnband, im Platzbereich und in der Tiefgaragevorhanden.

 

5.) FREIRAUMORGANISATION UND –GESTALTUNG

"Warum fahren Sie, wenn Sie Bäume sehen wollen, nicht einfach manchmal ins Freie?" fragte man ihn. Herr Keuner antwortete erstaunt: "Ich habe gesagt, ich möchte sie sehen aus dem Hause tretend."

Bertolt Brecht: Herr K. und die Natur in: Geschichten vom Herrn Keuner (1935-1959)

 

Drei markante Linden markieren den dreiecksförmigen Platzbereich, der im Norden durch ein Spielband (Gerätespielbereich) räumlich gefasst wird. Sitzmauern bzw. lineare Pflanztrogelemente akzentuieren die Platzgrenzen.

Der hart befestigte, urbane Platzbereich vermittelt zwischen der bestehenden Wohnbebauung im Westen und dem neuen Siedlungsgebiet und stellt den Auftakt einer Sequenz von Platzzonen als kommunikative Treff- und Aufenthaltsbereiche im neuen Stadtquartier dar.

Das platzangelagerte Lokalsowie ein Gemeinschaftsraum und Homeoffices fungieren frequenzbringend und platzbelebend.

Zentraler Stellenwert kommt zudem der professionellen sozialen Begleitung durch den Moderator zu, der die Platzbespielung und dessen angedachte soziale Funktionen maßgeblich unterstützen soll.

Die Stellung des Platzes im Siedlungsgefüge wurde dadurch gestärkt, dass die Wohngasse, die vom Nachbarbauplatz im Osten kommend an das Gebäude heranreicht, durch einen großzügigen Durchgangsbereich in den „Platz unter den Linden“ geführt wird und so einen adäquaten Endpunkt findet.

Durch eine bauplatzübergreifende Abstimmung der Gestaltungstypologien (Oberflächen, Möblierung) wird das Freiraumbild bestmöglich in das Siedlungsimage implementiert.